Dringender Ausstieg aus Tierversuchen – PETA veröffentlicht „Research Modernisation Deal“

PETA veröffentlicht „Research Modernisation Deal“: Pressekonferenz mit Renate Künast und Strategie für Ausstieg aus Tierversuchen zum Download.

Ausstieg aus Tierversuchen

Ausstieg aus Tierversuchen – Research Modernisation Deal

Ausstieg aus Tierversuchen, Stuttgart, 30. April 2020 – In ihrer gestrigen digitalen Pressekonferenz zum Ausstieg aus Tierversuchen stellte PETA erstmals den „Research Modernisation Deal“ (RMD) vor. Das Strategiepapier zur Modernisierung der Forschung zeigt konkret auf, wie der Ausstieg aus Tierversuchen in der Praxis möglich ist. Als Gastrednerinnen kamen auf der Veranstaltung auch Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Kathrin Herrmann von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health zu Wort. PETA kritisiert scharf, dass die Bundesregierung und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seit Jahren als Ziel angeben, Tierversuche vollständig ersetzen zu wollen, aber nach wie vor jährlich etwa drei Millionen Tiere für „wissenschaftliche Zwecke“ verwendet und/oder getötet werden. Die Tierrechtsorganisation fordert von der Bundesregierung einen verbindlichen Ausstiegsplan und liefert mit dem RMD einen Vorschlag, wie ein solcher aussehen kann.

 

 

„In Tierversuchen getestete Medikamente scheitern reihenweise in klinischen Studien an Menschen – auch im Hinblick auf die aktuelle Corona-Krise zeigt die Vergangenheit, dass Tierversuche der falsche Weg sind: Die SARS- und MERS-auslösenden Coronaviren warten immer noch auf einen Impfstoff. Statt weiterhin Tiere zu vergiften, zu ersticken, ihnen Löcher in den Schädel zu bohren und sie künstlich krank zu machen, müssen Testmethoden genutzt werden, die auch tatsächlich für den Menschen relevant sind – denn der Mensch ist keine Maus“, so Ökotoxikologe Dr. Christopher Faßbender, wissenschaftlicher Berater bei PETA.

Renate Künast widmete sich in ihrem Vortrag dem Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland. Sie verwies unter anderem darauf, dass die EU-Kommission im März dieses Jahres Entwürfe für ein neues Tierschutzgesetz und eine neue Tierschutz-Versuchstierverordnung von Deutschland erhielt. Diese enthielten Künast zufolge nach wie vor eklatante Mängel, die zeigten, „dass die Bundesregierung immer noch versucht, eine Schmalspurvariante durchzusetzen.“ Die Sprecherin für Tierschutzpolitik im Deutschen Bundestag erklärte: „Wir müssen jetzt den Einstieg in den Ausstieg einleiten. […] Deshalb ist auch die Vorlage jetzt – der ‚Research Modernisation Deal‘ von PETA – ein wichtiger Diskussionsbeitrag, der vor allem auf eines hinweist, nämlich, dass wir einen Paradigmenwechsel brauchen. […] Wir müssen jetzt – gerade auch in dieser Zeit – wieder darauf achten, dass wir auf die modernen Methoden gehen, ohne Tierversuche.“

 

 

Dr. Kathrin Herrmann thematisierte in ihrem Beitrag die Hürden auf dem Weg hin zu einer tierfreien, humanrelevanten Forschung. Dabei wies sie unter anderem darauf hin, dass die Ergebnisse aus Tierversuchen aufgrund unüberwindbarer Speziesunterschiede nicht zuverlässig auf den Menschen übertragbar sind. Daher müssten Methoden zum Einsatz kommen, die auf der menschlichen Biologie basieren. Zudem seien bis zu 90 Prozent aller Tierversuche nicht reproduzierbar – der gleiche Test kann also trotz einer exakten Wiederholung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Sie ging auch darauf ein, dass die Genehmigungsbehörden Tierversuche nicht effektiv inhaltlich prüfen können – zum einen, weil die EU-Vorgabe im deutschen Gesetz nicht korrekt umgesetzt wird, zum anderen, weil Ressourcen wie eine deutschlandweite Datenbank, ausreichend Bearbeitungszeit und Personal fehlen.

 

 

Der Research Modernisation Deal

Der RMD sieht das sofortige Ende von Tierversuchen in Bereichen vor, in denen sich Tierversuche bereits nachweislich als schlechtes „Modell“ für den Menschen herausgestellt haben. Kritische wissenschaftliche Untersuchungen weiterer Forschungsbereiche sollen ermitteln, wo Tierversuche ebenfalls auslaufen können. Als weitere Maßnahme nennt das Strategiepapier eine effektive ethische Kosten-Nutzen-Analyse zum Schutz von Tieren, die für Experimente verwendet werden. Auch die finanziellen Mittel werden thematisiert: Diese müssten in die Entwicklung weiterer tierfreier Methoden statt in Tierversuche fließen. In Zusammenarbeit mit globalen Behörden und Organisationen sollen tierversuchsfreie Verfahren schließlich – auch im Hinblick auf gesetzliche Anforderungen – angeglichen und die internationale Akzeptanz gefördert werden.

 

 

Medikamentenentwicklung: Durchfallquoten von bis zu 100 Prozent

Dass die Ergebnisse aus Tierversuchen meist nicht auf den Menschen übertragbar sind, zeigt sich auch in der Medikamentenentwicklung: 95 von 100 neuen Medikamenten sind für den Menschen unbrauchbar, obwohl sie im Tierversuch wirksam und sicher waren. In verschiedenen Krankheitsgebieten liegt die Durchfallquote von Medikamenten sogar noch höher, etwa bei Krebs (96,6 %), Alzheimer (99,6 %) oder Schlaganfall (100 % bei mehr als 1000 Wirkstoffen und über 100 klinischen Studien). [1, 2, 3] Der Grund für diese hohe Zahl an Misserfolgen bei Tierversuchen ist immer derselbe: Genetik, Stoffwechsel und Anatomie unterscheiden sich von Tierart zu Tierart. Dr. Faßbender appelliert: „Um wertvolle Zeit und finanzielle Mittel nicht länger so massiv zu verschwenden, muss die Entwicklung von tierfreien, effektiveren Forschungs- und Testmethoden verstärkt gefördert werden. In den Niederlanden gibt es bereits seit 2016 einen verbindlichen Ausstiegsplan aus Tierversuchen – wir hoffen, dass nun auch Deutschland nachzieht.“

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

Dringender Ausstieg aus Tierversuchen – PETA veröffentlicht „Research Modernisation Deal“:

Das vollständige PDF „Research Modernisation Deal – Eine Strategie zur Modernisierung der Forschung und zum Ausstieg aus Tierversuchen“ steht hier zum Download zur Verfügung.

Einen Mitschnitt der digitalen Pressekonferenz finden Sie hier.

 


 

[1] Wong, C. H./Siah, K. W./Lo, A. W. (2019): Estimation of clinical trial success rates and related parameters. Biostatistics. 2019;20(2):273-286. Online abrufbar unter: https://academic.oup.com/biostatistics/article/20/2/273/4817524. (29.04.2020).

[2] Pistollato, F./Ohayon, E. L./Lam, A./et al. (2016): Alzheimer disease research in the 21st century: Past and current failures, new perspectives and funding opportunities. Oncotarget. 2016;7(26):38999-39016.

[3] Roth, S./Liesz, A. (2016): Stroke research at the crossroads – where are we heading? Swiss Medical Weekly. 2016 July 11. 146:w14329.

 

Weitere Informationen über PETA und dem Ausstieg aus Tierversuchen:

PETA.de/Wissenschaft-statt-Tierversuche

PETA Deutschland e.V. ist mit über 1,5 Millionen Unterstützern die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

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Bilder Ausstieg aus Tierversuchen: Lizenzfreie Bilder
Text Ausstieg aus Tierversuchen: Thomas Lesniak, PETA Deutschland e.V.

 

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