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Gibt es einen Weihnachtsmann? New York Sun & Virginia O’Hanlon

Weihnachtsgeschichte New York Sun & Virginia Virginia O'Hanlon

Gibt es einen Weihnachtsmann?

Virginia's Weihnachtsgeschichte

Im Jahr 1897 unterhielt sich die damals 8-jährige Virginia O’Hanlon (20. Juli 1889 in New York City; † 13. Mai 1971 in Valatie, New York) mit ihren Freunden über Santa Claus, den amerikanischen Weihnachtsmann. Sie glaubte an ihn, doch die anderen meinten, es gäbe überhaupt keinen Weihnachtsmann. Die kleine Virginia wandte sich voller Zweifel nun an Ihren Vater, doch er antwortete ihr nur ausweichend.

Die Achtjährige hatte zuvor des Öfteren mitbekommen, dass sich die Familie bei auftretenden Unklarheiten an die „Frage- und Antwort“-Kolumne der Zeitung New York Sun (1883-1950) wandte -eine Zeitung, auf das ihr Vater große Stücke hielt.

So beschloss sie, auch an die Sun zu schreiben, um die wirkliche Wahrheit herauszufinden. Ihr Vater bestärkte sie in ihrem Vorhaben, die New York Sun werde ganz sicher ihr die Wahrheit sagen und ihr die richtige Antwort geben.

Den Auftrag, diese schwierige Anfrage zu beantworten, erhielt damals der langjährige Journalist Francis Pharcellus Church. Ihm gelang ein unglaublicher redaktioneller Beitrag, der bis heute zu den berühmtesten Veröffentlichungen in der US-Presse zählt und wurde in der Ausgabe der Zeitung New York Sun am 21. September 1897 veröffentlicht.

Er wurde in den Folgejahren jedes Jahr erneut von der New York Sun nachgedruckt und nach dem Einstellen ihres Erscheinens im Jahr 1950 übernahmen andere Blätter den Text, der ebenfalls in viele andere Sprachen übersetzt wurde.

Vor mehr als hundert Jahren schrieb die kleine Virginia aus New York also folgenden Leserbrief:

„Lieber Redakteur, ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der Sun steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?

Ihre Virginia O’Hanlon
115 West Ninety-fifth Street.“

Die Sache war dem Chefredakteur der New York Sun so wichtig, dass er den erfahrenen Kolumnisten Francis P. Church beauftragte, eine Antwort zu entwerfen, für die Titelseite der Zeitung.

Der Briefwechsel zwischen Virginia und Francis P. Church wurde so berühmt, dass er über ein halbes Jahrhundert lang alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der New York Sun abgedruckt wurde.

Die Botschaft war für viele Leute, die sie lasen, äußerst bewegend. Mehr als ein Jahrhundert später ist es immer noch der am meisten nachgedruckte Leitartikel überhaupt in den Zeitungen in englischer Sprache.

Gibt es einen Weihnachtsmann

Quelle: Leitartikel der New York Sun vom 21.09.1897

Hier seine Antwort an die 8-jährige Virginia:

Liebe Virginia, deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur was sie sehen. Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein, Virginia… ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich, wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss, wie die Liebe und die Großzügigkeit… und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt. Und deshalb kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia.

Es gäbe dann auch keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik… gar nichts, was das Leben erst erträglich machte.

Ein kleiner Rest an sichtbarem, Schönen bliebe übrig, aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.

Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen und den Elfen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Vater bitten, er solle an Heilig Abend Leute ausschicken, um den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen würde den Weihnachtsmann zu Gesicht bekommen. Aber… was würde das schon beweisen?

Kein Mensch sieht den Weihnachtsmann einfach so… Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben Kindern und Erwachsenen meist unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel… wenn sie auf den Mondwiesen tanzen… trotzdem gibt es sie. All diese Wunder zu denken, geschweige denn sie zu sehen, das vermag nicht mal der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles.

Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach schönen Farbfiguren suchen… Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter… Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt… Einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur der Glaube, Phantasie und Poesie… und Liebe und Romantik können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und die Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. Ist das denn auch wahr, magst Du fragen… Ach, Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer nichts ist beständiger.

Der Weihnachtsmann lebt und er wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich… und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia
Dein Francis Church

Die Redaktion wünscht allen Lesern eine tolle und besinnliche Weihnachtszeit und ganz viel Glück und Liebe… auch auf der Erde.

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Holger Korsten, Tageblatt24.com

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